betteln

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bet|teln ['bɛtl̩n] <itr.; hat:
a) bei fremden Menschen um eine Gabe bitten:
auf der Straße betteln; um ein Stück Brot betteln; betteln gehen.
Syn.: Klinken putzen (ugs. abwertend), schnorren (ugs.), um Almosen bitten.
b) immer wieder, flehentlich bitten:
die Kinder bettelten, man solle sie doch mitnehmen.
Syn.: bohren (ugs.), drängeln, flehen (geh.).

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bẹt|teln 〈V. intr.; hat
1. öffentlich (auf der Straße u. in Häusern) um Almosen bitten
2. 〈fig.〉 unaufhörl., dringl., flehentl. bitten (bes. von Kindern)
● der Junge hat so (darum) gebettelt, mitkommen zu dürfen; \betteln gehen gewerbsmäßig betteln; Betteln und Hausieren verboten [<ahd. betalon, zu beton „bitten“]

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bẹt|teln <sw. V.; hat [mhd. betelen, ahd. betalōn, Iterativbildung zu bitten u. eigtl. = wiederholt bitten]:
1. um Almosen bitten:
auf der Straße, an den Türen b.;
er geht b.;
um Geld, um ein Stück Brot b.;
<subst.:> Betteln verboten!;
Ü <subst.:> du musst deinem Hund das Betteln abgewöhnen.
2. inständig bitten:
um Gnade b.;
bei jmdm. um Verzeihung b.;
die Kinder bettelten, man solle sie doch mitnehmen;
ich habe Nein gesagt, und jetzt hört endlich auf zu b.!

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Betteln,
 
das Ansprechen von Fremden um Gaben, sei es aus wirklicher oder vorgespielter Bedürftigkeit. Seit Aufhebung des § 361 Nummer 4 StGB wird Betteln strafrechtlich nicht mehr verfolgt, es sei denn, es liegt Betrug vor.
 
Geschichtliches:
 
Bettler hat es zu allen Zeiten in fast allen Gesellschaften gegeben. Einige Kenntnis über das Bettelwesen in Mitteleuropa hat man aus der Merowinger- und der Karolingerzeit. Mit dem Anwachsen der Städte trat es besonders im Spätmittelalter auf. Nicht zuletzt die Hochschätzung der religiös begründeten Armut durch die Kirche und die Pflicht des Christen, den unverschuldet Armen zu unterstützen, führten zur Erscheinung des »Bettlers von Beruf«, der als Büßer oder Pilger an die Barmherzigkeit appellierte und in der mittelalterlichen Welt eine gewisse Anerkennung erlangte. »Bettel- oder Prachervögte« sorgten als »Rechtsvertreter eines nicht Rechtsfähigen« für gerechte Durchführung der städtischen Almosenordnungen und für Ruhe bei den Bettlerscharen, die v. a. in den Städten zum Teil sehr umfangreich waren. In Basel wurde der Kohlenberg als Bettlerkolonie eine Freistätte der »Gilen« (Bettler) mit eigener Gerichtsordnung; in Paris umfasste der »Cours des miracles« 3 000 Menschen. Im 18. Jahrhundert wurde das Betteln vielfach verboten, die größte Not wurde gemildert durch private Wohltätigkeit (»Armengesellschaften«) und behördlich geförderte Arbeitsbeschaffung in besonderen Werkhäusern. »Armenpfleger« traten an die Stelle der Bettelvögte. Die um 1800 einsetzende staatliche Armengesetzgebung ersetzte allmählich die private und kirchliche Wohlfahrtspflege. (Bettelorden)
 
 
Bettler, Gauner u. Proleten, hg. v. C. Sachsse u. F. Tennstedt (1983);
 M. Mollat: Die Armen im MA. (a. d. Frz., 21987).

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bẹt|teln <sw. V.; hat [mhd. betelen, ahd. betalōn, Iterativbildung zu ↑bitten u. eigtl. = wiederholt bitten]: 1. um Almosen bitten: auf der Straße, an den Türen b.; er geht b.; um Geld, um ein Stück Brot b.; <subst.:> Betteln verboten!; Ü du musst deinem Hund das Betteln abgewöhnen. 2. inständig bitten: um Gnade b.; bei jmdm. um Verzeihung b.; Denn wie oft war früher ... das Kind mit herübergekommen und hatte um eine Vorführung der Laterna magica gebettelt (G. Vesper, Laterna 49); die Kinder bettelten, man solle sie doch mitnehmen; ich habe nein gesagt, und jetzt hört endlich auf zu b.!; <subst.:> du musst deinem Hund das Betteln abgewöhnen.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • betteln — Vsw std. (9. Jh.), mhd. betelen, ahd. betalōn Stammwort. Wörter dieser Bedeutung sind in der Regel von Wörtern für Bettler abgeleitet, das deutsche Wort muß also eine Rückbildung sein zu Bettler, mhd. betelære, ahd. betalāri (oder auf die gleiche …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • betteln — V. (Aufbaustufe) jmdn. um Almosen bitten Synonyme: schnorren, erbetteln, anbetteln Beispiel: Er ging von Haus zu Haus und bettelte um Essen. betteln V. (Oberstufe) jmdn. eindringlich um etw. bitten Synonyme: anflehen, erbetteln, erflehen (geh.),… …   Extremes Deutsch

  • Betteln — bezeichnet in der Verhaltensbiologie ein Verhalten, durch das ein Sozialpartner (häufig ein Elternteil) zur Übergabe eines Objektes bewegt werden soll, siehe Bettelverhalten das Verhalten von Menschen, die ihren Lebensunterhalt ganz oder… …   Deutsch Wikipedia

  • Betteln — Betteln, 1) s.u. Bettelwesen; 2) (Spiel.), im Schach u. Damenspiele, Stein um Stein ohne besonderen Vortheil nehmen …   Pierer's Universal-Lexikon

  • betteln — betteln: Das dt. und niederl. Verb (mhd. betelen, ahd. betalōn, niederl. bedelen) ist eine Iterativbildung zu dem unter ↑ bitten behandelten Verb und bedeutet demnach eigentlich »wiederholt bitten«. Abl.: Bettler (mhd. betelæ̅re, ahd. betalāri) …   Das Herkunftswörterbuch

  • betteln — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Bsp.: • Sie bettelte um Geld …   Deutsch Wörterbuch

  • Betteln — 1. Auch zum Betteln gehört Glück. – Tendlau, 790. Nach Lessing kann man ohne Glück nicht einmal ein guter Spitzbube sein. 2. Bedeln schänd wol, man t armt doch nich. – Eichwald, 103. 3. Besser betteln als borgen. 4. Besser betteln und bitten, als …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • betteln — bẹt·teln; bettelte, hat gebettelt; [Vi] 1 (um etwas) betteln jemanden dauernd und intensiv um etwas bitten: Das Kind bettelte so lange, bis die Mutter ihm ein Eis kaufte 2 (um etwas) betteln jemanden um Geld (oder andere Dinge) bitten, weil man… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • betteln — 1. anbetteln, erbetteln; (ugs.): anschnorren, schnorren; (ugs. veraltend): fechten; (landsch. salopp): erschnorren; (bes. nordd.): prachern. 2. anflehen, beschwören, bitten, erbetteln; (geh.): erflehen, flehen; (geh. veraltend): heischen; (bes …   Das Wörterbuch der Synonyme

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